Der fälschungssichere Euro-Schein und was ihn ausmacht

Der Eure ist ein sichere ZahlungsmittelIm Jahr 2011 wurden europaweit über 600 000 falsche Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen – 39 000 davon allein von der Deutschen Bundesbank. Damit sank die Zahl der Fälschungen zwar im Vergleich zum Vorjahr deutlich, gleichzeitig aber stieg die Qualität der gefälschten Euroscheine. Mit einer einfachen Faustregel kann jeder leicht einen falschen Fünfziger vom Original unterscheiden.

Fälschungssicher?

Seit 10 Jahren gibt es die Banknoten des Euros, der mittlerweile die gemeinsame Währung siebzehn europäischer Länder ist. Heute sind über 13 Milliarden Banknoten mit sieben Nennwerten von 5 bis 500 Euro im Umlauf. Jeder einzelne Schein ist mit zahlreichen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet, die das Fälschen erschweren und das Entdecken von Fälschungen damit vereinfachen. Falschgeldhersteller können einzelne Sicherheitsmerkmale, wie ein Hologramm oder Wasserzeichen, inzwischen überzeugend fälschen, doch bislang hat noch keine Fälschung alle Merkmale imitieren können. Deshalb ist es wichtig, bei der Prüfung eines Geldscheins mehrere Merkmale mit einzubeziehen – die Sicherheit der Euro-Banknoten besteht im Zusammenspiel der einzelnen Sicherheitsmerkmale. Alle zurzeit anfallenden Falsifikate sind auch als solche zu erkennen, wenn man alle Sicherheitsmerkmale überprüft. Die Faustregel, die daran erinnern soll, wie sich die Echtheit von Euroscheinen anhand der Sicherheitsmerkmale binnen Sekunden prüfen lässt, lautet: “Fühlen, sehen, kippen”. Für jede dieser Prüfkategorien gibt es unter den Merkmalen mehrere, die auf einer echten Banknote vorhanden sein müssen.

Fühlen, sehen, kippen

Fühlen: Auf der Vorderseite sind die Initialen der Europäischen Zentralbank in 5 Sprachversionen aufgedruckt. Diese Buchstaben – BCE ECB EZB EKT EKP – sowie die Wertzahl und die Abbildungen der Fenster bzw. Tore sind mit Stichtiefdruck gedruckt, und somit erhaben und mit den Fingern zu ertasten. Euro-Banknoten bestehen aus reiner stärkefreier Baumwolle, sodass sie sich griffig und fest anfühlen – schlechte Fälschungen lassen sich bereits am Material erkennen. Sehen: Drei Sicherheitsmerkmale, die durch einfaches Ansehen prüfbar sind, sind das Wasserzeichen, der Sicherheitsfaden und das Durchsichtregister, die alle bei Durchsicht sowohl von der Vorder- als auch der Rückseite aus sichtbar werden. Das Wasserzeichen (das Architekturmotiv sowie die Wertzahl der jeweiligen Banknote) erscheint bei Durchsicht im druckbildfreien Teil des Geldscheins. Der Sicherheitsfaden ist in der Mitte der Banknote in ganzer Breite in das Papier eingebettet und wird im Gegenlicht als dunkle Linie (mit dem Notenwert und dem Wort “Euro” bedruckt) sichtbar. Das Durchsichtsregister sind unregelmäßige Zeichen in der linken oberen Ecke auf beiden Seiten der Euronote, die erst in Durchsicht zusammen die vollständige Wertzahl bilden. Kippen: Auf der Vorderseite der Euroscheine befindet sich ein Hologramm, auf dem beim Kippen des Scheins unterschiedliche Motive zu erkennen sind. Auch auf der Rückseite der Euronoten befinden sich Sicherheitsmerkmale, deren Vorhandensein beim Kippen des Scheins dessen Echtheit signalisiert. Auf 5-, 10- und 20-Euro-Scheinen glänzt beim Kippen ein Perlglanzstreifen neben dem Sicherheitsfaden. Bei 50-, 100-, 200- und 500-Euro-Scheinen findet sich eine Zahl mit Farbwechsel, ein sogenanntes optisch-variables Farbelement: Die Wertzahl in der rechten unteren Ecke ist bei normaler Ansicht purpurrot und verfärbt sich beim Kippen zu olivgrün oder braun. Insbesondere dieser Farbwechsel konnte bisher noch von keiner Fälschung vollständig nachgeahmt werden.

Kein Ersatz für Falschgeld

Zu Reichsmarkzeiten versuchte man noch, Geldfälscher mit aufgedruckten Warnungen (“wer nachgemachte Banknoten in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft”) abzuschrecken; heute sind es die zahlreichen Sicherheitsmerkmale, die unsere Euroscheine vor Fälschungen schützen sollen. Neben den genannten – durch Fühlen, Sehen und Kippen prüfbaren – Sicherheitsmerkmalen gib es noch einige weitere Merkmale, die unsere Euro-Banknoten fälschungssicher machen. Die Euroscheine verfügen über ein Spezialfolienelement, Infrarot-Eigenschaften, unter UV-Licht fluoreszierenden Motive, eine magnetische Sicherheitsmarkierung und eine durch Lichtblitze auslesbare Beschichtung namens M-Feature. Eine besondere Eigenschaft der Euro-Banknoten erstickt den Versuch der Fälschung schon im Keim: Ein Muster von fünf mehrfach auftretenden kleinen Kreisen auf den Geldscheinen – die sogenannte EURion-Konstellation – sorgt dafür, dass Scanner, Kopierer, Drucker und Bildbearbeitungsprogramme erkennen können, dass Abbildungen von Banknoten gedruckt werden sollen, und diesen Druckauftrag verweigern können. Auch heute noch ist es ein Vergehen, Falschgeld, das man unwissentlich erhalten hat, wissentlich weiter in Verkehr zu bringen. Wer also dank fehlender Sicherheitsmerkmale sicher ist, im Besitz einer Blüte zu sein, sollte diese der Polizei übergeben – auch wenn es für Falschgeld keinen Ersatz gibt.

Foto: Joachim Wendler – FotoliaSimilar Posts: